Stellungnahme der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen im Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e.V. (Bündnis KJG)
Die Influenza ist die „echte Grippe“. Sie ist eine häufige und oftmals schwere Erkrankung der Atemwege. Sie wird durch Influenza-Viren ausgelöst. Sie sollte nicht mit unkomplizierten Erkältungen verwechselt werden (in der Umgangssprache oftmals fälschlich auch als „Grippe“ bezeichnet). Meist im Winter erkranken viele Menschen in Deutschland an der Grippe. Kinder und ältere Erwachsene sind besonders schwer betroffen. Kinder sind zudem oftmals die Ersterkrankten in einer Familie. Sie bringen Viren aus der Kita, dem Kindergarten oder der Schule nach Hause und können dann andere Familienmitglieder anstecken. Dadurch tragen Kinder dazu bei, dass sich die Influenza verbreitet.
Gegen Grippe kann man sich ab dem Alter von 6 Monaten impfen lassen. Geimpfte Personen erkranken deutlich seltener und leichter an einer Grippe. Die Impfstoffe werden in jedem Jahr neu an die Viren angepasst.
In Deutschland lassen sich zu wenige Menschen gegen Grippe impfen.
Mögliche Folgen (Komplikationen) der Grippe
Manchmal kann die Grippe zu Komplikationen zu führen, dazu gehören beispielsweise Entzündungen der Lungen (bis hin zum Versagen der Lungen), des Mittelohrs, der Nasennebenhöhlen, Herz- und anderen Muskeln sowie des Gehirns. Einige dieser Komplikationen können tödlich verlaufen.
Besonders häufig sind Komplikationen bei Frühgeborenen, Kindern jünger als 2 Jahre und Kindern mit Vorerkrankungen wie Asthma, Schwäche der Infektionsabwehr oder starkem Übergewicht.
Auch Schwangere und Neugeborene sind besonders gefährdet.
Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) gibt Empfehlungen, wer sich impfen lassen sollte. Die Impfung sollte vor dem Beginn der Influenza-Saison (am besten im frühen Herbst) erfolgen. Besonders wichtig ist die Impfung für:
- Menschen ab 60 Jahren und Bewohner:innen von Pflegeheimen,
- Menschen mit Vorerkrankungen und alle Personen über 6 Monate, die mit ihnen in einer Wohnung leben,
- Schwangere ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel,
- Medizinisches Personal
- Personen, die viele Kontakte mit anderen haben, beispielsweise Busfahrer:innen, Lehrer:innen, Verkäufer:innen, und viele mehr.
Für fast alle besonders gefährdeten Personen besteht eine Impfempfehlung. Leider führt die STIKO die Berufsgruppe der Erzieher:innen in Kindergärten nicht extra auf. Kein Impfempfehlung gibt es in Deutschland bislang für
- gesunde Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder
- Kinder mit Adipositas (Übergewicht).
Dennoch sind gerade diese Säuglinge und Kinder besonders gefährdet.
Welche Impfstoffe gibt es?
Es gibt verschiedene Impfstoffe gibt. Die meisten werden in den Muskel verabreicht, einer in die Nase. Nur ein Impfstoff ist frei von Hühnereiweiß.
Wie ist die Impfsituation im Ausland?
- USA: Die Influenza-Impfung ist für alle Kinder ab 6 Monate empfohlen.
- Schweiz: Die Influenza-Impfung ist ähnlich wie in Deutschland für alle Kinder ab 6 Monaten mit erhöhtem Komplikations – oder Übertragungsrisiko auf gefährdete Familienmitglieder empfohlen.
- Österreich: Die Influenza-Impfung ist für alle Kinder zwischen 6 Monaten und 15 Jahren empfohlen.
Woran kann es liegen, dass in Deutschland so wenig Kinder gegen Grippe geimpft werden?
- Die Impfung wird für Kinder ohne Risikofaktoren von der STIKO bislang nicht empfohlen, obwohl es unserer Meinung nach dafür gute Gründe gäbe.
- Die Impfung soll jedes Jahr wiederholt werden. Bei der erstmaligen Impfung von Kindern bis 9 Jahren wird die Impfung zweimal im Abstand von 4 Wochen gegeben.
- Der Ruf der Impfung in der Bevölkerung ist nicht besonders gut in der Bevölkerung. Sie würde wahrscheinlich besser akzeptiert werden, wenn die Sorgeberechtigten auswählen dürften, welcher Impfstoff bei ihrem Kind verwendet wird. Der Impfstoff, welcher in die Nase gegeben wird, würde die Impfung für viele Kinder sehr erleichtern.
- Die Grippeimpfung wird vor Beginn der Grippesaison im Herbst empfohlen, kurzfristig könnte eine Terminfindung bei den Ärzt:innen schwierig sein.
Empfehlungen dieser Kommission
Die Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen des Bündnis für Kinder- und Jugendgesundheit empfiehlt:
- Die Grippeimpfung sollte allen Kindern ab dem Alter von 6 Monaten angeboten werden.
- Eltern sollten wählen können, ob ihr Kind den nasalen oder einen anderen Grippeimpfstoff erhält. Die Kontraindikationen müssen dabei beachtet werden.
- Auch das Personal in Kitas, Kindergärten und Schulen sollte sich impfen lassen.
- Die Kommission ruft dazu auf, jedes Jahr Impfkampagnen durchzuführen, um mehr Menschen zur Grippeimpfung zu ermutigen.
- Schulimpfungen könnten (wieder) eingeführt werden.
- Neben den bisher genannten Risikofaktoren sollte auch Adipositas (Übergewicht) in der Impfempfehlung genannt werden.
Basierend auf einer Stellungnahme der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen im Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e.V. (Bündnis KJG), Stand: September 2024. Federführung: Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz, Bremen
Referenzen:
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- Bundesamt für Gesundheit und eidgenössische Kommission für Impffragen (2024) Schweizerischer Impfplan 2024
- Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Impfplan Österreich, 5. September 2023
- Gemeinsamer Bundesausschuss (2023) Schutzimpfungsrichtlinie (www.g-ba.de)
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- Ständige Impfkommission (2024) Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2024. Epid Bull 2024;4:1- 72 | DOI 10.25646/11892.3
- WHO (2024) Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2024-2025 northern hemisphere influenza season (who.int)
Stellungnahme der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen des Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e. V.
Mitglieder: Dr. med. Herbert Grundhewer (BVKJ), Prof. Dr. med. Ulrich Heininger (DGKJ), Dr. med. Henriette Högl (Kindernetzwerk), Dr. med Ulrike Horacek (DGSPJ), Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz (DGKJ), Prof. Dr. med. Markus Knuf (DGPI), Prof. Dr. med. Georg-Christoph Korenke (DGKJ), Prof. Dr. med. Andreas Müller (Sachverständiger), PD Dr. med. Julia Tabatabai (BVKJ), Prof. Dr. med. Ulrich v. Both (DGKJ).

