Fachverbände fordern den Erhalt des Wahlrechts und verbindliche Qualitätsstandards in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege
Das Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit e. V. warnt vor Personalengpässen in der Pflege von Kindern und Jugendlichen und sieht dringenden politischen Handlungsbedarf bei Ausbildung und Personalplanung. Anlass ist die Bundestagspetition Nr. 185291 zum Erhalt des Wahlrechts auf einen spezialisierten Abschluss in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie die öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss am 20. April 2026.
Das im Pflegeberufegesetz vorgesehene Wahlrecht (§ 59 PflBG) ist ein zentrales Instrument zur Fachkräftesicherung in der Kinderkrankenpflege. In der Praxis kann dieses Wahlrecht jedoch vielerorts nicht ausgeübt werden, da entsprechende Ausbildungsangebote von vielen Pflegeschulen nicht vorgehalten werden. Aussagen über eine geringe Nachfrage nach spezialisierten Abschlüssen sind daher irreführend und eignen sich nicht als Grundlage für Ausbildungs- oder Strukturentscheidungen.
Zugleich bestehen Defizite im Vertiefungseinsatz Pädiatrie der generalistischen Pflegeausbildung. Die derzeit vermittelten Kompetenzen reichen nicht aus, um Berufsanfänger:innen ohne zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen in Kinderkliniken oder -stationen einzusetzen. Dies führt zu verlängerten Einarbeitungszeiten, erhöhtem Qualifizierungsbedarf und einer verzögerten Einsatzfähigkeit, insbesondere in hochspezialisierten Bereichen wie Neonatologie, pädiatrischer Intensivpflege oder Kinderonkologie und -kardiologie.
Das Bündnis fordert daher:
- bundeseinheitliche pädiatrische Ausbildungsinhalte
- verbindlich geregelte Nachqualifizierungen für laufende Ausbildungsgänge sowie eine
- gesetzliche Grundlage, die es den Ländern ermöglicht, den tatsächlichen Pflegepersonalbedarf für Kinder und Jugendliche zu erfassen, zu planen und gegenüber den Ausbildungsträgern durchzusetzen.
Auch neue Aufgabenfelder wie Schulgesundheitsfachkräfte, Frühe Hilfen und erweiterte heilkundliche Tätigkeiten müssten dabei berücksichtigt werden. Darüber hinaus spricht sich das Bündnis für einen eigenständigen, bundesweit einheitlich geregelten Akademisierungsweg für die Pflege von Kindern und Jugendlichen aus. Eine gezielte Akademisierung von zehn bis zwanzig Prozent der Ausbildungskapazitäten ist ein wesentlicher Baustein, um langfristig Führungs-, Entwicklungs- und Spezialkompetenzen in der pädiatrischen Pflege zu sichern und das Berufsfeld attraktiver zu gestalten.
Das Bündnis Kinder- und Jugendgesundheit (Bündnis KJG) ist ein Zusammenschluss führender kinder- und jugendmedizinischer Fachgesellschaften, Berufs- und Klinikverbände, Kinderkrankenpflegeorganisationen und Elternvertretungen in Deutschland. Ziel des Bündnisses ist es, sich gemeinsam für bessere gesundheitliche Rahmenbedingungen für Kinder und Jugendliche einzusetzen – politisch, gesellschaftlich und fachlich.
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